Das Brasilien der Gegenwart ist ein Land der gigantischen Zahlen. Mit fast 8,5 Millionen Quadratkilometern ist es

34 mal so groß wie die Bundesrepublik Deutschland. Die Grenze zu anderen Staaten Lateinamerikas ist fast 17.000

Kilometer lang. Trotzdem ist die Einwohnerzahl nur rund doppelt so hoch wie die der Bundesrepublik Deutschland. Und 7.400 Kilomter Atlantikküste bedeuten 7.400 Kilomter Strand. Zusammen mit Brasliens weitgehend tropischen Temperaturen sicher kaum zu übertreffende Voraussetzungen für einen ungetrübten Badeurlaub. Doch für einen großen Teil der ausländischen Besucher ist die Aussicht auf einen ungetrübten Badeurlaub nur eine angenehme Begleiter-

scheinung innerhalb eines Landes mit vielen Gesichtern. Ein so großes Land zeigt fast zwangsläufig Kontraste kultureller und ethnologischer Art. Um einen Überblick über das Land zu bekommen, unterteilt man Brasilien in fünf Großregionen. Der Amazonas mit seinen unzähligen Nebenflüssen und dem Amazonasurwald bildet die Nordregion. Vor über einhundertz Jahren brachte der Kautschuk den Reichtum in diese Region. Der Saft des "weinenden Baumes" -wie in die Indianer ihn nennen- ließ die gesamte Region wirtschaftlich und kulturell erblühen. In Manaus sind die Spuren des goldenen Kautschuk-Zeitalters noch heute im Stadtbild sichtbar. So wurden die einzelnen Teilder gusseisernen Markthalle aus Frankreich eingeschifft und das Gebäude der Zollverwaltung wurde Stein für Stein aus Schottland herangeschafft. Im Opernhaus von Manaus ließen die Kautschukbarone Enrico Caruso singen und nor vor der Jahrhundertwende gab es dort eine elektrische Strasssenbeleuchtung. Der Amazonasurwald bedeckt fast vierzig Prozent der Gesamtfläche Brasiliens. Rund eintausenachthundert Vogelarten und zweihundertfünzig Arten von Säugetieren sind dort beheimatet. Einige Regionen gelten noch als unerforscht. Im Schutz des fast undurchdringlichen Regenwaldes leben Indianerstämme dem vordringenden Fortschritt zum Trotz ohne sich seit Jahrhunderten verändert zu haben. In der Region Mittelwesten liegt die heutige Hauptstadt Brasilia, die 1960 Rio de Janeiro als Hauptstadt ablöste. Nach einem Grundriß in Form eines Flugzeuges wurde Brasilia aus der Steppe gestampft. Unkonventionelle Bau- und Kunstwerke bestimmen das Erscheinungsbild der jungen Hauptstadt. So mutet nicht nur die Kathedrale von Brasilia, in der vierzigtausend Gläubige Platz finden, futuristisch an auch die restlichen Bauwerke sind ungewöhnlich. Südwestlich von Brasilia -einige hundert Kilometer entfernt- liegt ein Naturschutzgebiet in der Größe der Bundesrepublik: Das Pantanal. Die Tiere und Pflanzen dieses Gebietes stehen unter Naturschutz. An den Ufern der Seen und Flüsse finden Angler un Fotofreunde ein Paradies vor. Der Süden Brasiliens grenzt an Uruguay, Argentinien und Paraguay. Es ist das einzige Gebiet Brasiliens, in dem es ausgeprägte vier Jahreszeiten gibt. Im Bundesstaat Rio Grande do Sul trifft man auf Landschaften wie in deutschen Mittelgebirgen. im 19. Jahrhundert siedelten hier und vielleicht gerade wegen der Landschaft viele deutsche Auswanderer. Sie bewahrten sich viele ihrer Bräuche (Oktoberfest) und sprechen heute noch die verscheidenen deutschen Dialekte und lesen eigene deutschsprachige Zeitungen.